Meine Begeisterung für die Minimal-Elektro-Kombo pornophonique habe ich ja bereits ausgedrückt – jetzt ist es mir gelungen einen der beiden Jungs – Kai (seines Zeichens Sänger, Gitarrist und C64-Solist) für ein kleines Interview für filzo.de zu gewinnen; dafür opferte er mir etwas seiner Zeit des Samstagabends. Gesprochen habe ich mit ihm über die Entstehung der Band, seine musikalischen Vorlieben und unter anderem auch über die Entscheidung für die Creative Commons License.
Filzo: Das ‘Hallo Kai’ kann ich mir ja sparen – das hatten wir ja schon. Eurer Internetseite sind nur folgende Worte über euch zu entnehmen:
“eine gitarre.
ein gameboy.
ein c64.
zwei typen.
space invaders samples.
lagerfeuergeschrabbel.
gameboygedudel.
auch gesang mit dabei.
lowtech.
lo-fi.
micro.
porn.”.
Willst du vielleicht ein paar wenige Infos mehr über euch geben – wer seid ihr und was macht ihr wenn ihr nicht grad Saiten zupft und Knöpfe drückt?
Kai: ich bin der Kai, spiele Gitarre und singe und übernehme die beiden C64 Solos in unseren Songs “sad robot” und “space invaders”.
Der Felix musiziert mit seinem Gameboy, auf dem das Programm “LSDJ” (Little Sound DJ) läuft. Weitere Infos zu LSDJ finden sich übrigens bei der englischsprachigen Wikipedia. Was wir sonst so machen:
Ich beende in zwei Wochen mein Studium der Germanistik und versuche dann, irgendwo im Online-Journalismus unter zukommen. Ansonsten verdiene ich gerade mein Geld mit Comic-Übersetzungen, Homepage-Pflege und Musikmachen. Der Felix besucht ein Abendgymnasium und hat das Abitur im Blick. Daneben arbeitet er in der Gastronomie.
Filzo: Nächste Frage: Wie habt ihr zueinander gefunden? Kennt ihr euch etwa noch aus Kindertagen in denen ihr am C64 jeweils die Highscore des anderen bei PacMan knacken wolltet? Oder habt ihr euch durch eine der Musikersuchanzeigen kennen gelernt a la “Suche Gameboymusiker”?
Kai: Nö. Felix ist ja 10 Jahre jünger als ich! Felix ist 20 und somit die Gameboy-Generation und ich bin die C64 Generation (30). Kennen gelernt haben wir uns im Darmstädter Comic-Laden “Comic Cosmos”. Eines Tages hatte der Felix seinen Gameboy dabei und mir die Kopfhörer aufgesetzt mit den Worten “Hör mal, ich kann damit Musik machen!” Das war noch ein ziemlich wirrer, harter Sound (Felix ist ganz arg von Aphex Twin beeinflusst) aber ich dachte mir: Hey, dass ist cool. Ich hatte bis dahin nämlich in “richtigen” Bands gespielt. Mit 2 Gitarren, Bass, Schlagzeug, Gesang usw. Allerdings ist es unmöglich so viele Leute auf Dauer produktiv unter einen Hut zu bekommen. Also wollte ich so ein Akustik-Ding aufziehen. Aber alleine Singer-Songwritermäßig rocktz ja auch nicht. Da dachte ich mir, dass eine Zusammenarbeit mit Felix richtig rocken könnte.
Filzo: An dieser Stelle muss ich mich noch schnell als Neuling auf dem Gebiet der elektronischen Musik outen, und ‘Aphex Twin’ sagt mir, ‘tschuldigung, garnix. Was hast du denn vorher, in den ‘normalen Bands’ für Musik fabriziert?
Kai: Muhaha. Mir hat “Aphex Twin” vorher auch gar nix gesagt. Ich komm ja gar nicht aus der Elektro-Ecke. Meine Roots sind zum einen im Heavy Metal zum anderen im 60-70 Rock/Folk. Meine eine Band früher hieß “The punishment of Bozrah”. Das war so 80er Jahre HardrockSatanworshippingMetal. Das andere Projekt hieß “Szuspekkt” und ging in so eine New-Metal/X-Over-Richtung mit deutschen Gesang, aber nebenher hab ich immer Lagerfeuergitarre gespielt, gelegentlich auch mal mit ein paar Mädchen so zweistimmiges Zeug dahergeträllert. Aber das waren in dem Sinne keine richtigen “Bands” sondern einzelne Projekte für einzelne Auftritte.
Filzo: Deine Musikalischen Wurzeln liegen also, wie du sagtest, nicht im Elektrobereich – hast du also extra für eure Band angefangen Musik mit dem C64 zu machen?
Kai: Ja. Wobei man die Rolle des C64 bei uns wirklich nicht überbewerten darf. Ich benutze ein Modul namens “Music Machine”. Das funzelt den C64 zu einem ziemlich schlechten Keyboard um, bei dem man durch spezielle Tasten ein paar einzelne Parameter (Sound, Effekt …) einstellen kann. Dann dienen die beiden oberen Reihen der Tastatur als Klaviatur. Also bleibt bei uns der C64 weit unter seinen Möglichkeiten als ernstzunehmendes Instrument.
Filzo: Woher kommen dann eure Drumsounds? Sind die nicht vom C64? Oder kommen sie gar aus dem GB?
Kai: Alles, was nicht aus der Gitarre oder dem Gesang kommt, kommt aus dem Gameboy! Der C64 spielt nur die Solomelodie bei Sad Robot und Space Invaders.
Filzo: Wow, ich hätte echt nicht gedacht dass dem Gameboy solche Töne zu entlocken sind.
Kai: Ja, gell? Is der Hammer. Aber wenn man den Gameboy auch so beim “normalen” Spielen an eine Anlage anschließt (über den Kopfhörerausgang) merkt man das Potential des Soundchips. Das hört sich eigentlich nur so quäkig wegen der internen Lautsprecher an! Wobei: Wir benutzen den alten grauen Gameboy der ersten Generation. Der klingt nämlich wesentlich besser als der GameboyColor!
Filzo: Ich habe nie einen Gameboy oder etwas vergleichbares besessen – mein erster Computer war ein Amiga – von dem wird ja auch gesagt dass er tolle Musikqualitäten habe.
Kai: Ja. der Amiga soll da auch ganz gut gewesen sein. Richtige Geeks haben aber wohl den Atari 1040 ST bevorzugt … Aber da kenne ich mich auch nicht so aus. Ich hab das ganze Elektromusikzeug nie verstanden. War mir zu kompliziert… MIDI is a kind of magic ![]()
Aber dahingehend ergänzen sich Felix und ich uns auch ganz gut.
Elektro-Musiker haben oftmals einen ganz anderen Zugang zur Musik als, ich sag jetzt mal “traditionellen” Musiker.
Filzo: Ich bin zu jung für das alles
Kai: Wieso? Wie alt bist du eigentlich?
Filzo: Ich bin 19 – gehöre also eher der Generation von Felix an
Kai: Na, dann ist doch alles klar!
Filzo: Das einzige Instrument was ich bisher gespielt habe war übrigens Trompete
Kai: Die Hölle für die Nachbarn bis man es dann mal endlich drauf hat! Aber cool! Warst du so Blues-Jazz mäßig unterwegs?
Filzo: Meine Blueszeit ist gerade erst gekommen – ich entdecke gerade BB King und John Lee Hooker für mich. Damals als ich Trompete gespielt habe hab ich keine Musik gehört die irgendwas mit Trompeten zu tun hatte – weshalb ich damit auch wieder aufgehört habe. Nun aber wieder zu eurer Musik
Kai: The good ol’ Blues! Aber okay – zurück zu pornophonique!
Filzo: Lässt der Text von ‘Sad Robot’ einen Vergleich mit dem depressiven Roboter ‘Marvin’ aus der “Per Anhalter durch die Galaxis”-Trilogie von Douglas Adams zu?
Kai: Nun, das liegt natürlich immer an dem, der den Vergleich herstellt. Klar, dass das nahe liegt und natürlich habe ich als auch Felix den Anhalter gelesen. Aber unser Sad Robot unterscheidet sich auch von Marvin: Unser Roboter wird sich am Ende bewusst, dass er ja ein roter Todesroboter ist und tritt als solcher der Welt erneut entgegen!
Filzo: Ich glaube hier kann ich das erste mal mein Wissen aus dem Philosophieunterricht anwenden: Lässt sich “I want to be a Machine” als Antithese zu “Sad Robot” ansehen? Immerhin legt der Text den Wunsch eines Menschen nach einer Art mechanischer Gefühllosigkeit nahe – eben wie ein Roboter
Kai: WOW! Du hast es erkannt! Respekt! Tatsächlich sind beide Lieder direkt hintereinander entstanden. SadRobot handelt von der Maschine, die menschliche Gefühle entwickelt und dem Hörer dadurch sympathisch wird. In “Machine” wünscht sich der Mensch, Maschine zu sein, um seine Gefühle an einem “7-inch TFT-Screen” kontrollieren zu können.
Filzo: …hin und wieder gar keine schlechte Vorstellung – oder?
Kai: Nein. Eine super Vorstellung! Manchmal dreht man ja aus verschiedenen Gründen volles Rohr am Rad und bekommt sich ganz schlecht in den Griff.
Filzo: Das ist wahr… Bevor wir hier allerdings zu philosophisch werden lenke ich die Bahnen unseres Gesprächs nochmal auf euch und eure Musik. Die beiden Songs ‘Sad Robot’ und ‘I want to be a machine’ sind die einzigen die ihr bisher veröffentlicht habt – sowohl auf CD als auch zum Download unter einer Creative Commons Licence. War die Entscheidung für die Lizenz eine Frage der Einstellung oder fehlt euch schlicht und einfach ein Label das euch ‘vermarktet’?
Kai: Definitiv eine Frage der Einstellung! Wir hatten bereits Anfragen von ein paar Labels, haben dahingehend aber abgelehnt. Ich finde es in Zeiten von DRM und einer immer autoritärer auftretenden Musikindustrie wichtig, ein Zeichen dagegen zu setzen.
Filzo: Freut mich das zu hören
Kai: Ja. Die Musik- und Filmindustrie dreht da immer mehr am Rad. Auf der einen Seite hauptsächlich geklonte Bands produzieren oder abgehalfterte Scheintote ein x-tes “Best of” rausbringen lassen. Und jeden Mist für viel zu teures Geld den Leuten aufschwätzen. Was aber leider immer noch viel zu gut funktioniert.
Filzo: Du hast absolut Recht… zum Schluss habe ich noch ein paar kurze, einfache Fragen, Schüsse aus der Hüfte sozusagen; ich verlange kurze und ehrliche Antworten: Welchen MP3-Player besitzt du?
Kai: Muhaha, wo wir’s gerade von hatten: iPod-Mini!
Filzo: Hrhr… weiter: Welches Betriebssystem benutzt du hauptsächlich?
Kai: OS X
Filzo: Ich hätt’s mir fast gedacht
Kai: Ist halt schweinegeiles Klicki-Bunti!
Filzo: Was für ein Auto fährst du?
Kai: Also zur Zeit ist kein Auto auf mich zugelassen. Ich benutze das meiner Freundin mit: Einen Ford!
Filzo: Und dann auch die letzte Frage für heute: habt ihr Groupies?
Kai: Kommt auf die Definition von “Groupie” an. Ich würde sagen ja: Sie sind leider meistens männlich und so… w3 r d00m3d
Filzo: Okay, dann Vielen Dank dass du die beste Sauf- und Feierzeit eines Samstagabend dafür genutzt hast mir ein Interview zu geben


Vielleicht sollte ich da wirklich mal reinhoeren und rausfinden, ob es sich bei dem roten Todesroboter um ihn handelt
Sehr cooles Interview. Und wer hat dich darauf gebracht?
Pornophonique rult einfach. Besonders mit dem passenden Publikum. Der Auftritt in Darmstadt am 02.09 war einfach zu geil
anuron
Soweit ich weiß werden die beiden auch auf dem nächsten Chaos Computer Congress zu sehen sein – bei dem ich eventuell auch anwesend sein werde.
Joah das kann gut sein. Das Publikum dort ist auch dafuer super geeignet
Ach schau an, nu wird der Filzo Schurnalüst! Bin ja richtig beeindruckt… Weiter so. Werd mir die Mucke dann HOFFENTLICH (jetzt bitte alle für mich beten) am nächsten Wochenende reinziehen können mit meinem Niegel-Nagel-Neuen *taddaaaaaaa* Internetanschluss. Wenn nicht, dann halt später mal…
*wink0r*
‘s S.
Ich bin total der Musikjournalist, ey