Mittagsgedicht

Jetzt schlägt deine schlimmste Stunde,
Du Ungleichrunde,
Du Ausgekochte, du Zeitgeschälte,
Du Vielgequälte,

Du Gipfel meines Entzückens.
Jetzt kommt der Moment des Zerdrückens
Mit der Gabel! – – Sei stark!
Ich will auch Butter und Salz und Quark
Oder Kümmel, auch Leberwurst in dich stampfen.

Mußt nicht so ängstlich dampfen.
Ich möchte dich doch noch einmal erfreun.
Soll ich Schnittlauch über dich streun?
Oder ist dir nach Hering zumut?

Du bist ein so rührend junges Blut. –

Deshalb schmeckst du besonders gut.
Wenn das auch egoistisch klingt,
So tröste dich damit, du wundervolle
Pellka, daß du eine Edelknolle
Warst, und daß dich ein Kenner verschlingt.

Joachim Ringelnatz – Abschiedsworte an Pellka

Wer jetzt errät, was ich mir heute koche, der bekommt einen Tritt weniger :)

3 Kommentare zu Mittagsgedicht

  1. Geschrieben am 13. Januar 2009 um 20:35 | Permalink

    Ich weiss nicht, ob Du heute noch kochst. Aber ich vermute mal, dass Du Dir eine (oder zwei oder viele) Pellkartoffeln gekocht hast ;-)

  2. Geschrieben am 14. Januar 2009 um 14:02 | Permalink

    Das macht mich so gluecklich!

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