Ein Montagmorgen

Sechsuhrdreißig. Der Wecker klingelt. Eigentlich klingelt mein Handy, da ich den von mir besessenen Analogwecker nicht benutze. Die Nacht habe ich fast nicht geschlafen. Eigentlich ein guter Grund um liegen zu bleiben und den Morgen zu verschlafen. Schließlich rolle ich mich dennoch aus dem Bett, gehe duschen, putze Zähne, ziehe mich an. Frühstück. Zwei Scheiben Toast mit Johannisbergelee, welches ich Samstag im Supermarkt erstand. Dazu ein Becher Kaffee aus der French Press; er ist schwarz. Irgendwie ist es dann auch schon zehn vor acht, und ich entscheide mich, loszugehen. Also los. Kaugummi in den Mund, um den Kaffeeatem zu überdecken, Kopfhörer auf, um die Geräusche der aufwachenden Braunschweiger Provinz zu übertönen. Das erste Lied, welches ich wahrnehme, ist ein furchtbar schlechtes Bootleg von den Misfits. Gleich bin ich da. Große Übung Technische Informatik. Zur Vorlesung gehe ich nicht, da der Professor keine Ahnung hat, wie man eine gute Vorlesung hält. Die Übung wird glücklicherweise von jemand anderem geleitet. Musik aus, Hörsaaltür auf. Nur wenig Leute da; vorne steht der Prof. Na toll: Doch Vorlesung statt Übung. Mache noch in der Tür kehrt und gehe. Ein Kommilitone tut es mir gleich und wir unterhalten uns kurz über die Vorlesungsinkompetenz des Professors. Er nimmt den Aufzug und bietet mir einen Aufzugslatz an. Ich lehne dankend ab; morgens mit anderen Menschen in einem Aufzug zu fahren; das brauche ich nun wirklich nicht. Kopfhörer auf. Der iPod ist immer noch auf Shuffle, und ich höre Throwdown. Never Back Down. Sehr gut.
Los geht’s in Richtung meiner Wohnung. Ich höre kurz in einen Song aus dem Star Wars Soundtrack rein und drücke dann auf “Weiter”. Drum’n'Bass. Gut genug um wach zu werden. Danach: Musik aus meiner Kindheit. The Offspring. “I just don’t wanna be controlled. That’s all I want”. Ich bin an meiner Haustür. Ramones. Ich bin in meiner Wohnung. Psychobilly. Sauber!
Ich mache mir ein Käsebrot, nehme eine Flasche des seltsamen Grapefruitisogetränks aus dem Kühlschrank; einen Apfel aus der Obstschale und packe alles in meine Tasche.
Los geht’s zum E-Tower. Auf dem Weg gibt es Buju Banton und Hot Chip auf die Ohren. Rein in den Aufzug (der zum Glück leer ist). Rauf in den 11. Stock. Rein ins Labor. Kabel umstöpseln. Rechner und Router starten. Sachen eintippen. Andere Sachen auf dem USB-Stick speichern. Rechner und Router herunterfahren.
Plötzlich ist es  halb 10; um 9.45 geht es mit der nächsten Vorlesung weiter. Rechnerstrukturen II. Praktischerweise bin ich bereits im richtigen Gebäude.
Die Zeit reicht zum Bloggen.
Also auf geht’s, runter in den 1. Stock; Notebook aus der Tasche, und vor dem verschlossenen Hörsaal an einen Tisch gesetzt. Mit Stulle aber ohne Musik.
Mittlerweile ist der Raum aufgeschlossen, der Professor ist da. Etwas zu spät. Ich warte auf den Beginn der Vorlesung.

4 Kommentare zu Ein Montagmorgen

  1. Geschrieben am 24. Januar 2011 um 12:46 | Permalink

    ich lese das gern.

  2. Phil's Gravatar Phil
    Geschrieben am 25. Januar 2011 um 14:43 | Permalink

    Du hast das Talent, gewisse Sachverhalte in knappen Sätzen auf den Punkt zu bringen und schaffst es dabei trotzdem Prosa zu liefern. Das gefällt mir!
    Ich freue ich auf weitere kleine Erzählungen aus Deinem Leben!

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